Gerade wurde die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes noch mindestens bis zum 14. Juni verlängert. Das führt zu viel Unsicherheit und offenen Fragen für Verbraucher, die Reisen gebucht oder geplant hatten. Was ist mit meinem gebuchten Sommerurlaub? Kann ich kostenlos stornieren? Muss ich einen Gutschein anstatt Geld für meine geplatzte Reise akzeptieren? Wir beantworten euch hier die wichtigsten Fragen rund um das Thema Reiserecht und Corona-Krise.

Kann ich meine gebuchte Reise kostenlos stornieren?

Gute Nachrichten: Die weltweite Reisewarnung macht es laut der Verbraucherzentrale möglich, Pauschalreisen und auch einzelne Reiseleistungen ins Ausland kostenlos zu stornieren und von der gesamten Reise zurückzutreten, wenn sie zeitnah stattfindet. Ein weiteres Argument sind auch die Einreisebeschränkungen und Einreiseverbote, die in vielen Ländern aufgrund des Coronavirus herrschen. Zudem rät inzwischen auch das Bundesgesundheitsministerium pauschal von allen Reisen ab, national und international.

Auch die Stiftung Warentest meint, dass Kunden kurz bevorstehende Pauschal­reisen kostenfrei stornieren können, wenn am Urlaubs­ort oder in dessen unmittel­barer Nähe „unver­meid­bare und außergewöhnliche Umstände“ auftreten, die die Durch­führung der Pauschal­reise oder die Beför­derung von Personen an den Ziel­ort erheblich beein­trächtigen. Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gelte als deutliches Indiz für außergewöhnliche Umstände, so die Stiftung Warentest. Wichtig ist es, sich beim Rücktritt auf diese außergewöhnlichen Umstände zu berufen.

Hier finden Sie Tipps zu Reise stornieren und Reiserecht in der Coronavirus-Krise. Bei Charesse TravelPics zur Reiseinspiration und virtuellen Urlaubsreise.

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Argumente für einen kostenlosen Rücktritt vom Reisevertrag

Manche Reiseveranstalter stellen sich quer. Doch lasst euch nicht abwimmeln. Laut Stiftung Warentest gibt es noch weitere wichtige Gründe für eine kostenlose Stornierung: Rund­reisen und wesentliche Sehenswürdigkeiten etwa sind wegen der Abriegelung ganzer Städte oft gar nicht wie geplant durch­führ­bar. Noch wichtiger: Da viele Länder ihre Grenzen geschlossen haben, ist das Einreisen oft überhaupt nicht mehr möglich. Natürlich besteht auch eine erhebliche Gesundheitsgefahr: Die Anste­ckungs­gefahr. All dies sind weitere Umstände, die euch zum kostenlosen Rück­tritt vom Reise­vertrag berechtigen. Auch interessant: Der Veranstalter muss den Reisepreis inner­halb von 14 Tagen nach der Stornierung zurückerstatten.

 

Muss ich einen Gutschein akzeptieren als Ersatz für meine gebuchte Reise?

Über diesen Punkt wurde in letzter Zeit viel debattiert. Im Moment gilt: Ihr habt Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises und müsst euch nicht mit einem Gutschein abspeisen lassen.

Die Verbraucherzentrale meint: Wenn ihr euer Reiseziel nicht erreichen könnt, weil ihr Deutschland ohne wichtigen Grund nicht mehr verlassen dürft oder auch innerhalb Deutschlands nicht mehr reisen und Unterkünfte nicht mehr touristisch nutzen sollt, braucht ihr die einzeln gebuchten Leistungen wie zum Beispiel Hotels, nicht zu bezahlen. Wichtig ist auch hier, dass deutsches Recht gilt. Wenn ihr direkt beim Anbieter im Ausland gebucht habt kann das dortige Recht gelten und die Sache anders aussehen. Aber auch die EU-Kommission sieht in der Gutschein-Lösung einen Bruch von EU-Recht. Eure Chancen stehen also gut.

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Was ist zu tun, wenn noch Restzahlungen ausstehen?

Natürlich überweist niemand gerne Zahlungen für eine Reise, von der man nicht weiß, ob sie wirklich stattfinden wird wegen der Corona-Krise. Auch steht immer auch ein mögliches Insolvenzrisiko des Reiseveranstalters aufgrund der aktuellen Lage im Raum. Was also tun, wenn man noch eine Restzahlung für eine Reise bezahlen muss. Die Verbraucherzentrale rät, dass ihr, falls ihr nicht die Reise kostenlos stornieren wollt, oder eventuell doch noch hofft, verreisen zu können, den Restpreis, der zurzeit für eine bald anliegende Pauschalreise oder eine einzeln gebuchte in Deutschland gelegene Unterkunft fällig wird, erstmal nicht zu zahlen. Denn es sein noch immer unklar, ob Reisen in den nächsten Wochen wie vereinbart durchgeführt bzw. Unterkünfte erreicht und für einen Urlaub genutzt werden können.

Hinzu kommt wieder die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts, Einreiseverbote in viele Staaten und das Abraten bzw. Verbote, innerhalb Deutschlands zu reisen, sowie das Verbot, Unterkünfte touristisch zu nutzen. Ob und wann diese Einschränkungen wieder aufgehoben werden, ist nicht absehbar. Die Verbraucherzentrale rät; Zumindest Reisen, die in den nächsten Wochen (etwa bis Mitte Mai) stattfinden sollen, sind dermaßen gefährdet, dass ihr die Zahlung des Restpreises verweigern könnt. Die aktuelle Verlängerung der weltweiten Reisewarnung bestärkt dies noch mal.

Die Verbraucherzentrale meint weiter: Vor diesem Hintergrund haben Reiseveranstalter und Eigentümer von Ferienunterkünften kein Recht zum Rücktritt vom Vertrag, obwohl sich das viele für den Fall vorbehalten, dass der vereinbarte Preis nicht oder nicht vollständig zu den genannten Terminen gezahlt wird.

Keine Mahnkosten

Auch wenn sich nicht alle Anbieter daran halten: Die Anbieter dürfen eigentlich keine Mahn- oder Inkassokosten oder für den Fall eines Rücktritts vorgesehene Stornoentgelte verlangen.

Weiterer Rat der Verbraucherzentrale: Wollen Sie die Reise vielleicht doch antreten, und besteht der Anbieter auf die Zahlungen, ist es besser, wenn Sie die Restzahlungen nach Mahnung durch Reiseveranstalter begleichen, um eine (nach Ansicht der Verbraucherzentrale jedoch unberechtigte) Stornierung durch den Veranstalter zu vermeiden.

Lassen Sie sich, gerade bei teuren Reisen, im Zweifel am besten unabhängig beraten, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale.

Hier werden sehr kompetente und sehr preiswerte individuelle Reiserechtsberatungen angeboten.

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Was, wenn der Reiseveranstalter sich weigert, mir das Geld zurückzuerstatten?

Das müsst ihr nicht so ohne weiteres akzeptieren.

Stiftung Warentest sagt klar: Ihr müsst weder einen anderen Reise­termin noch einen Gutschein akzeptieren. Wichtig ist der Paragraf § 651 h BGB. Dort heißt es in Absatz 1 Satz 1: „Vor Reise­beginn kann der Reisende jeder­zeit vom Vertrag zurück­treten. Tritt der Reisende vom Vertrag zurück, verliert der Reise­ver­anstalter den Anspruch auf den vereinbarten Reise­preis.“ Auch weitere wichtige Paragrafen findet ihr dort. Auch wenn viel darüber diskutiert wurde: Dem Gutschein-Vorschlag der Bundes­regierung hat die die EU-Kommis­sion noch nicht zugestimmt (Stand Mai 2020). Ihr könnt also auf eine Erstattung bestehen.

Möglichkeiten euer Geld von der Bank zurückbuchen zu lassen

Wenn ihr die Reise storniert habt und der Veranstalter euch trotzdem nicht innerhalb der gesetzlichen Frist von 14 Tagen den Reisepreis zurückerstattet hat und ihr mit Kreditkarte bezahlt habt, besteht folgende Möglichkeit:

Ihr könnte euch in diesem Fall das Geld im Char­geback-Verfahren (Char­geback bedeutet Rück­buchung) zurück­holen. Das sehen die Regularien von Mastercard und Visa vor. Auch wenn manche Banken das Chargeback-Verfahren ablehnen wollen: Bleibt dabei und beruft euch auf die Char­geback-Regularien von Mastercard und Visa, die eine Rück­buchungs­möglich­keit vorsehen, rät Stiftung Warentest.

Wenn ihr per Lastschrift bezahlt habt, könnt ihr euch euer Geld zurückholen, wenn die Abbuchung nicht länger als acht Wochen her ist.

Dafür müsst ihr die Bank schriftlich beauftragen, den Betrag zurück zu buchen. Beim Online-Banking geht das oft ganz einfach über den Online-Kontoauszug (Funktion: Lastschrift zurückgeben). Nochmal zur Erinnerung: Gesetzlich hat der Reiseveranstalter laut Stiftung Warentest 14 Tage Zeit, euch das Geld zurückzugeben.

Achtung:
Der aktuelle Stand ändert sich zurzeit sehr schnell.

Checkt auch folgende Webseiten:

Auswärtiges Amt

Verbraucherzentrale

Stiftung Warentest

 

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